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Abschlusskonzert der 57. Musikfesttage Hoyerswerda – Sinfonisches Orchester Hoyerswerda e.V.

Sonntag
05.05.2024
Beginn
17:00 Uhr
Ort
Großer Saal - Lausitzhalle
Preis ab
25,00 EUR | 27,00 EUR | 23,00 EUR
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Ticket-Hotline: 03571 9041-05
Solist: Emil Ubbelohde (Querflöte)
Solist: Emil Ubbelohde (Querflöte)

Abschlusskonzert der Musikfesttage
Sinfonisches Orchester Hoyerswerda
Leitung: Eva Meitner
Solist: Emil Ubbelohde (Querflöte)

Programm:
Moritz Moszkowski (1854 – 1925): „Aus aller Herren Länder“ Suite für Orchester op. 23 MoszWV 104 (1879)
I. Russisch (Allegretto)
II. Italienisch (Presto)
III. Deutsch (Andante sostenuto)
IV. Spanisch (Molto vivace)
V. Polnisch (Allegro con fuoco)
VI. Ungarisch (Molto Allegro)
Cécile Chaminade (1857 – 1944): Concertino für Flöte und Orchester op. 107 (1902)

Moderato
(Pause)

Robert Schumann (1810 – 1856): Sinfonie in Es-Dur „Rheinische“ op. 97 (1850)
I. Lebhaft
II. Scherzo – Sehr mäßig
III. Nicht schnell
IV. Feierlich
V. Lebhaft

Moszkowski und Chaminade sind fast ein Paar
Im 1. Teil des Konzertes werden Sie Kompositionen hören, die Sie vermutlich noch nicht kennen. Es sind Vertonungen aus der Zeit der sog. Gründerjahre zwischen 1870 und 1910, einer Hoch-Zeit des Bürgertums in Europa. Heute sind hauptsächlich noch die Gebäude dieser Jahrzehnte geblieben – und die Kunstwerke. Vieles ist durch die beiden Weltkriege und die rasante Weiterentwicklung der Technik verlorengegangen, so auch die musische Kraft der damals lebenden Menschen. Wo heute in (fast) jedem Haushalt Musik nur noch durch die Medien konsumiert wird, gab es damals in der breiten Mittelschicht das Klavier. Von Kind auf – gefördert vom Elternhaus und der Schule – spielte man auf einem Tasten- oder Streichinstrument und übte sich im Gesang. Mit Musizieren verbrachte man vielerorts die Freizeit. Dafür brauchte es natürlich Noten! Diesem Bedürfnis kamen u. a. die beiden heute zu hörenden Komponisten nach. Sie förderten die musische Kraft in der Gesellschaft durch eingängige und virtuose Klavier- und Liedwerke neben anderen Vertonungen. Es sind von Moszkowski und Chaminade eine Vielzahl von sog. Salonmusiken überliefert, die zum größten Teil durch die Verrohung der Kriegsgefühle hinweggespült oder einfach vergessen wurden. Und noch ein Zweites verbindet die beiden Künstler: Moritz Moszkowski war verheiratet mit der Schwester von Cécile Chaminade. So werden sie sich immer wieder begegnet sein und ausgetauscht haben.

Moritz Moszkowski wurde vor 170 Jahren in Breslau geboren. Gefeiert wurde er vor allem in Berlin als Klaviervirtuose und Dirigent, musste aber bereits mit rund 30 Jahren seine Pianistenlaufbahn aufgeben, da er durch Erkältung oder durch Überarbeitung eine Nervenkrankheit in den Schultern (aus seinen Tagebüchern) bekam. Er zog schließlich 1897 nach Paris und starb dort völlig vereinsamt nach dem 1. Weltkrieg.

Das Klavierwerk zu vier Händen „Aus aller Herren Länder“, die Vertonung nationaler Eigenarten von sechs europäischen Ländern, hat er vermutlich noch im selben Jahr 1879 orchestriert. Ihm ging es dabei um die geistige Auseinandersetzung mit diesen Völkern. Das ist ihm gelungen, sodass das Werk bis heute überlebt hat. In einer Dissertation 2009 von Bojan Assenov heißt es deshalb: Es ist eine Gratwanderung zwischen modernem Zeitgeschmack und ernster Musik. Außerdem fasziniert in den rhythmisch reichen Sätzen die Kürze der Verarbeitung, die den Charakter umso einprägsamer macht. Unwillkürlich steigen in uns bei den Vertonungen Natur- und Menschenbilder aus diesen Ländern auf, z.B.: Der 1. Satz (Russisch) führt wohl in die Weiten des Landes mit den alten Bojaren – im 3. Satz (Deutsch) lässt der Hörnerklang vielleicht an ein romantisches Jagdgeschehen denken – oder der 4. Satz (Spanisch) erinnert an typisch rasante Nationaltänze. Lassen Sie sich auf Ihre persönlichen Bilder zu dieser Musik ein! Die Suite war um 1900 so beliebt, dass sie in den verschiedensten Ausgaben erhältlich war. Sie diente als Hausmusik, Orchestern als Zugabe in einem Konzert, Kapellen als Straßen- und Caféhausmusik und Organisten zur Untermalung von Stummfilmen.

Cécile Chaminade war hingegen zunächst in Paris beliebt. Mit ihren Klavier- und Lied-Charakterstücken reiste sie viel, weilte auch bei der Queen Victoria auf Schloss Windsor und wurde schließlich in den USA in sog. Chaminade-Fanclubs gefeiert! Der Kriegsbeginn zerbrach für sie die glorreiche Laufbahn. Sie wurde krank von der aufopfernden, viel zu schweren Arbeit als Leiterin eines Lazaretts. Auch eine Übersiedlung nach Monte Carlo Ende der 20-er Jahre erbrachte keine Besserung. 1944 starb sie völlig vergessen in den Wirren des Folgekrieges. Als Nachlass sind etwa 400 Kompositionen verzeichnet, deren Ausgaben fast 200.000 mal verkauft wurden! Chaminade war als Frau für die damalige Zeit sehr modern: Es gibt kein Geschlecht in der Kunst. Genialität ist eine selbstständige Eigenschaft. Die Frau der Zukunft mit ihrem Weitblick…wird weit kommen, denke ich, was kreative Arbeit in jeglicher Hinsicht betrifft. Und zur musischen Kreativität äußerte sie sich: Ich werde inspiriert, wenn ich im Wald und am Meer bin, recht nahe der Natur…Wenn mir eine Idee kommt, meditiere ich für eine Weile darüber. Dann, manchmal ohne Piano zu gebrauchen, beginne ich zu schreiben. Von der ungewöhnlichen Künstlerin wird bis heute vor allem das bei den Soloflötisten geschätzte Concertino gespielt, das nun auf dem Programm steht. Es war (natürlich) zunächst eine Komposition für Flöte und Klavier. Chaminade hat das Werk in einer eigenwilligen Besetzung orchestriert: Neben den obligatorischen Streichern hebt sich ein breites Bläseraufgebot interessanterweise in tiefen Lagen hervor: Posaunen, Hörner und sogar Tuba (keine Trompeten!). Und doch wird mit diesem Kraftpaket die Soloflöte nicht erschlagen, da das Orchester sehr klug zur Gestaltung des Soloparts eingesetzt ist. Wie bei Moszkowski gilt hier das Sprichwort: In der Kürze liegt die Würze. Sicherlich wird die eingängige Vertonung auch bei Ihnen große Resonanz finden.

Robert Schumann – Romantik pur
Auffallend ist, wie vernetzt Schumanns 3. Sinfonie mit seinem Lebensgefühl ist. Wir wissen, dass es eine Stimmungskette des „Auf und Ab“ war, wie es sich für einen echten Romantiker gehört: Phasen der Niedergeschlagenheit bis zu Krankheiten wechselten mit Phasen des Schaffensrauschs. Als der Künstler nach großer Enttäuschung 1850 aus der sächsischen Heimat nach Düsseldorf zum Antritt als städtischer Musikdirektor wechselte, war er hingerissen von der Lebenslust und dem ausgelassenen Frohsinn der Rheinländer, der die Wärme und das Licht dieses Landstriches widerspiegelt. Er lernte schnell die Umgebung kennen, und besonders beeindruckte ihn der Kölner Dom, der in seiner Größe damals noch weit über die Häuser ragte. Alles dieses fließt in die Sinfonie ein, die er im November in einem Monat mit fünf Sätzen niederschrieb. Die Uraufführung erfolgte dann ausgerechnet während des rheinländischen Karnevals 1851. Sie musste volkstümliche Elemente verwalten, betonte der Komponist nach dem glanzvollen Konzert. Warum musste sie? Nimmt Schumann mit diesem Wort Bezug auf andere Stimmungen im Werk, vor allem im 4. Satz, den manche Kritiker als beinahe einen Fremdkörper bezeichnen? Diese dunkle Seite treibt ihn in dieser Sinfonie um – trotz aller jubelnden Melodien und Klänge, die diese Seite überlagern. Während im 1. Satz ein leuchtendes Thema mit einem pulsierenden Rhythmus (Wechsel zwischen 2-er und 3-er Takt) alles beherrscht – folgen der 2. und 3. Satz mit einen gutmütigen und beschaulichen Charakter, ganz im Sinn eines rheinischen Landlebens mit Zeiten der Tanzfreuden. Aber der Schluss des 3. Satzes lässt aufhorchen! Er verklingt fast unhörbar – Stille breitet sich aus. Freilich: „Stille“ ist nicht immer Friede! Sie kann auch bedrohlich sein. Jedoch der Komponist erinnert sich an den erhebenden Bau des Kölner Domes, der in seiner Festigkeit, in seiner aufstrebenden Höhe und geschichtlichen Tiefe ein Symbol für Vertrauen und Glaube darstellt. Dieses Gefühl vertont Schumann im 4. Satz durch den erstmaligen Einsatz der Posaunen in der Sinfonie mit einer choralartig geistlichen Musik. Sehr bald wird die feierliche, ja tröstliche Stimmung, die die Bläser hervorrufen, „gestört“ durch sternschnuppenartige, aufhellende Einwürfe der Streicher. Beide sehr verschiedenen musikalischen Stoffe werden dann im Verlauf des Satzes kunstvoll und kontrapunktisch im alten Fugenstil durchkomponiert und klanglich gesteigert. Gegen Ende rufen Bläsersignale zum Höhepunkt auf – und es verklingt der Satz im lichten, strahlenden Seelenfrieden. Der letzte Satz nimmt folgerichtig wieder die eigentliche Grundstimmung der Tonschöpfung auf: den fröhlich ausgelassenen Schwung, der schwere Gedanken vertreibt. Mathias Husmann (Dirigent und Komponist) vermerkt dazu treffend: Der Abschluss der Sinfonie ist ein Umzug des rheinischen Karnevals, ein organisiertes Durcheinander, das sich in Abständen zu vereinigten Begeisterungsrufen verdichtet.

Dr. Rüdiger Laue
– Mitglied des Orchesters –

Eva Meitner – Dirigentin
– neben dem Chefdirigat des Sinfonischen Orchesters Hoyerswerda ist die deutsch-französische Eva Meitner seit 2018 Chefdirigentin des Freien Orchesters Leipzig
– außerdem spielt sie Harmonium und Klavier beim Duo TastoCorno und sie verbindet eine enge Zusammenarbeit mit dem Festival Silesia Sonans in Jelenia Góra (Hirschberg), wo sie schon seit mehreren Jahren einen deutsch-polnischen Orchesterworkshop leitet
– seit 2020 hat sie als YouTuberin ein Corona Concerts-Projekt geschaltet und spielt dort z.Z. den gesamten Klavierzyklus Das Jahr von Fanny Hensel ein
– seit 2022 Dirigate mit dem Bläserensemble des Bundesamateurorchesters, 2023 ist sie speziell Dozentin bei den Holzbläsern
– künstlerischer Schwerpunkt der Dirigentin liegt auf Werken von Komponistinnen
– weitere Aktivitäten sind einsehbar auf der Homepage: www.eva-meitner.de

Emil Ubbelohde (*2006) – Querflöte
– mit 5 Jahren erster Blockflöten-Unterricht an der Musikschule Radebeul
– mit 10 Jahren Wechsel zur Querflöte und seit 2020 auf dem Landesgymnasium für Musik in Dresden
– mehrfach höchste Auszeichnungen bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“: zunächst mit der Blockflöte, später mit der Querflöte, u. a. 2. Preise beim Bundeswettbewerb 2021 und 2022
– auf dem Landesgymnasium belegt er daneben das Fach: Jazzimprovisation
– Mitglied verschiedener Kammermusikformationen u.a. im Landesjugendorchester Sachsen

Das Sinfonische Orchester Hoyerswerda e.V. – ein Monolith – ein Solitär der Musikfesttage
– dessen Vorgänger, genannt „Orchester der Werktätigen“ unter Leitung von Lutz Michlenz (1936-2016), begleitete die Musikfesttage bereits seit deren Auftaktkonzert am 23. Juni 1966 in der damaligen Alfred-Scholz-Halle
– im Jahre 1962 erfolgte die Gründung des großen Orchesters Hoyerswerda durch Lutz Michlenz, das 1975 mit dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule zum Sinfonischen Orchester Hoyerswerda verschmolz
– nach den 49. Musikfesttagen (2014) legte Lutz Michlenz die Leitung des Orchesters in jüngere Hände, nämlich in die von Eva Meitner, die 2015 zu den 50. Musikfesttagen als Dirigentin des Sinfonischen Orchesters debütierte
– die Mitglieder des Orchesters, meist ehemalige Hoyerswerdaer Musikschüler, leben heute über ganz Deutschland verstreut und können meist nur an wenigen Probenwochenenden gemeinsam üben – und dennoch in erstaunlich hoher Qualität zwei jährliche Auftritte absolvieren: das Silvesterkonzert in der Lausitzhalle (ein „Ausverkauft“-Garant!) und an selber Stelle das Abschlusskonzert der Musikfesttage, wie wir es heute zum 57. Mal erleben
– auf der Homepage: www.sinfonisches-orchester-hoyerswerda.de sind weitere Nachrichten zu lesen

Es werden immer neue Mitglieder im Orchester gesucht! Herzliche Einladung!

Veranstalter

Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH

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